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CEREMONY I The L-Shaped Man

Alben über Trennungen sind doch immer ein Wendepunkt in der Karriere einer Band. Es ist der Moment, in dem sich der Sound komplett ändern kann und die Musik einen neuen emotionalen Höhepunkt erreicht. Transferiert man so viel Herzschmerz in eine einzige Platte, kommt etwas Besonderes zum Vorschein, egal in welchem Genre. Die besten Alben erkunden eben die Ecken und Winkel der Traurigkeit, durchforsten ein Gefühlslabyrinth und zelebrieren die gewonnenen Erkenntnisse.
Bei Ceremonys fünften Studioalbum, The L – Shaped Man, ist genau das passiert. Sänger Ross Farrar hat eine schwere Trennung hinter sich und schreibt sich seinen Schmerz von der Seele. Es geht um Einsamkeit, Kummer, Müdigkeit und dem Licht am Ende des Tunnels. Farrar beschreibt eindringlich, wie es ist durch die Hölle zu gehen und als neuer Mensch geboren zu werden.
Um diese Geschichte zu erzählen, haben Ceremony etwas leisere Töne angeschlagen und sich ein Stück von ihrer Hardcore Vergangenheit entfernt. Laute Ausbrüche des Zorns werden zu drückender Verzweiflung und selbst die lauten, schnellen und aggressiven Parts sind minimalistisch gehalten. „Es fühlt sich alles sehr intensiv an. Durch langes Halten der Töne und die Ungewissheit, wie es weitergeht entsteht eine bloße Kraft, ganz anders als die, die durch reine Masse entsteht. Für mich ist das pure Intensivität“, so Lead Gitarrist Anthony Anzaldo.
Gleich der erste Track „Exit Fears“ ist ein eingehendes Beispiel dafür. Justin Davis‘ Basslinie zieht sich akribisch genau durch den Song, begleitet von Anzaldos schlichter Gitarre und lässt mit diesem Minimalismus an einen Joy Division Song denken, der noch einen Funken Hoffnung in sich trägt.
„Verlust, vor allem der Verlust einer Person die du liebst – darum geht es bei The L – Shaped Man. Sowas kann man nicht einfach schreiben, ohne so etwas auch durchgemacht zu haben“, so Farrar. Man fühlt diesen Schmerz als wäre es der Eigene, wenn sein tiefer Bariton aufbraust und Sekunden später zu einem verzweifelten Flüstern abklingt.
Zusammen mit Produzent John Reis, der sich in diesem Genre schon an Rocket from the Crypt, Drive Like Jehu und Hot Snakes geübt hat, haben Ceremony Trauer den perfekten Klang verliehen.
Auch der Titel kommt nicht von Ungefähr. Farrar hat sich mit Stephen, der ihre Tour über am Lenkrad saß, über männliche Körper unterhalten. Das Fazit, das sie daraus gezogen haben ist ein simples: Der Mann ist ein L – gerader Torso und kleine, vertikal ausgerichtet Füße. Der Maler Leslie Lerner hat Männer in den 70ies und 80ies in wundervollen Bildern schon so dargestellt. Liebe und Verlust standen dabei im Vordergrund – wie auch bei The L – Shaped Man.

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